KI im Unternehmen

ifo-Studie: US-Abhängigkeit erkannt, wenig Gegenwehr

88 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen US-Digitalanbieter, jedes fünfte hält das für riskant. Eine ifo-Umfrage zeigt, warum trotzdem kaum jemand handelt.

Europäische KI

Wie abhängig sind deutsche Unternehmen von US-Digitalanbietern wirklich?

Eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts zeigt: Knapp 88 Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen Produkte US-amerikanischer Anbieter, 31 Prozent sehen sich dabei stark abhängig. Gut jedes fünfte Unternehmen hält diese Abhängigkeit für riskant, plant aber keinerlei Gegenmaßnahmen.

Welcher Vorfall hat die Umfrage ausgelöst?

Anlass war die vorübergehende Sperrung der leistungsfähigsten KI-Modelle des US-Anbieters Anthropic für ausländische Nutzer, die das US-Handelsministerium Mitte Juni 2026 angeordnet und Ende Juni wieder aufgehoben hatte. Der Vorfall betraf Anthropics Modelle Fable 5 und Mythos 5 und machte vielen Unternehmen erstmals konkret bewusst, dass ausländische Regierungsentscheidungen den eigenen KI-Zugang beeinflussen können.

Welche Branchen fühlen sich am stärksten betroffen?

Wahrgenommene Abhängigkeit und Risikoeinschätzung nach Branche. ifo-Umfrage, August 2026.
BrancheFühlt sich stark abhängigHält das Risiko für hoch
Werbung und Marktforschung72 Prozent51 Prozent
Dienstleistungssektor gesamt-39 Prozent (am höchsten)
Bauhauptgewerbe-15 Prozent (am niedrigsten)

Auffällig ist, dass die am stärksten abhängigen Unternehmen das Risiko nicht zwangsläufig am höchsten einschätzen. In der Werbung und Marktforschung sehen sich 72 Prozent der Unternehmen stark abhängig, aber nur 51 Prozent halten das tatsächlich für sehr riskant.

Warum handeln Unternehmen trotzdem nicht?

"Die Unternehmen wissen recht genau, wo sie stehen, sie ziehen daraus kaum Konsequenzen", sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Befragungen. Als mögliche Gründe nennt er die Zusatzkosten von Risikovorsorge und die Unsicherheit, ob Lieferanten oder Kunden vergleichbare Investitionen in digitale Unabhängigkeit ebenfalls tätigen würden.

Was planen die Unternehmen, die aktiv werden wollen?

Wo Unternehmen handeln wollen, richtet sich der Blick nach Europa: Der Umstieg auf europäische Alternativen ist mit 34 Prozent die am häufigsten genannte Maßnahme, vor der Diversifizierung der Anbieter mit 30 Prozent. Der Aufbau eigener IT-Infrastruktur folgt mit 18 Prozent weit dahinter. Das Angebot hält mit dieser Bereitschaft bislang nicht Schritt: Auf die Europäische Union entfallen weniger als 5 Prozent der weltweit erfassten Rechenkapazität für KI-Anwendungen.

Was fordert das ifo-Institut von der Politik?

"Die Bereitschaft zum Wechsel ist da, das Angebot fehlt", sagt ifo-Präsident Clemens Fuest. Er fordert einen deutlich schnelleren Ausbau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur sowie kürzere Genehmigungsverfahren. Zusätzlich solle der Staat seine eigene Nachfragemacht nutzen: Verbindliche Abnahmezusagen der öffentlichen Hand könnten europäischen Anbietern die Planungssicherheit geben, die aus verstreuter privater Nachfrage allein nicht entsteht.

Quellen