Reicht Copilot als KI-Strategie fürs Unternehmen?
Microsoft Copilot ist in vielen Büros schon im Einsatz. Wir zeigen, wo Copilot endet und was für eine vollständige KI-Strategie noch fehlt.
Europäische KI
Was macht Microsoft Copilot eigentlich genau?
Microsoft Copilot ist eine KI-Erweiterung für Microsoft 365. Wer eine passende Lizenz hat, bekommt KI-Unterstützung direkt in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams, zum Beispiel um E-Mails zusammenzufassen oder Präsentationen zu entwerfen. Die vollständige Version kostet laut Microsofts eigener Preisseite 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat, zusätzlich zu einer bestehenden Microsoft-365-Lizenz. Im Hintergrund arbeitet Copilot mit Sprachmodellen von OpenAI.
Weil Copilot direkt in vertrauten Programmen wie Word und Outlook auftaucht, ist es für viele Unternehmen der erste Kontakt mit KI im Arbeitsalltag. Das führt oft zu der Annahme: Wenn wir Copilot-Lizenzen kaufen, haben wir unser KI-Thema erledigt.
Wo hört Copilot auf?
Copilot deckt nur das ab, was innerhalb von Microsoft 365 passiert. Was Mitarbeitende außerhalb davon tun, zum Beispiel im Browser mit ChatGPT, Claude oder Gemini, sieht Copilot nicht und kontrolliert es auch nicht. In den meisten Unternehmen nutzen Angestellte längst mehrere KI-Werkzeuge parallel, oft ohne dass die IT-Abteilung einen Überblick hat, wer welches Tool wofür verwendet.
Was bedeutet das „Überberechtigungs-Problem“?
Ein weiterer Punkt betrifft Copilot selbst: Die KI zeigt Mitarbeitenden nur Inhalte an, auf die sie laut den bestehenden Microsoft-365-Berechtigungen bereits zugreifen dürfen. Das klingt zunächst sicher, ist es aber nicht automatisch. Viele Unternehmen haben über Jahre hinweg Dateien und Teams-Kanäle großzügig freigegeben, oft ohne das später wieder zurückzunehmen.
Laut einer Analyse von Microsoft Negotiations, die auf mehr als 500 Unternehmenseinführungen basiert, entdecken 68 Prozent der Unternehmen bei der Copilot-Einführung solche ungewollten Überberechtigungen. In etwa einem Drittel dieser Fälle war der Copilot-Vertrag bereits unterschrieben, bevor das Problem auffiel. Copilot macht also sichtbar, was vorher schon falsch konfiguriert war, sorgt aber nicht von sich aus dafür, dass es behoben wird.
Bleiben die Daten dabei in Europa?
Microsoft bietet für Copilot eine sogenannte EU-Datengrenze an, die festlegt, dass Daten innerhalb der EU verarbeitet und gespeichert werden. Seit einem Update im März 2026 ist bei neu eingerichteten Konten allerdings eine Funktion namens „Flex Routing“ standardmäßig aktiv. Sie erlaubt es, die eigentliche KI-Verarbeitung bei hoher Auslastung zeitweise außerhalb der EU vorzunehmen, laut Microsofts eigener Dokumentation in den USA, Kanada oder Australien. Unternehmen können das abschalten, müssen dafür aber selbst aktiv werden.
Wie unterscheidet sich das von einer Plattform wie oneAI?
| Kriterium | Microsoft Copilot | oneAI |
|---|---|---|
| Abdeckung | Nur innerhalb Microsoft 365 | Alle angebundenen KI-Modelle und Werkzeuge |
| EU-Datenverarbeitung | Standardmäßig teils außerhalb der EU möglich (Flex Routing) | Pro Modell deklariert, konfigurierbar |
| Schutz sensibler Inhalte | Abhängig von zusätzlich gepflegten Kennzeichnungen | Eingebaute Datenschwärzung, sofort aktiv |
| Modellauswahl | Nur OpenAI-Modelle | 34 Modelle von fünf Anbietern |
Der Unterschied liegt vor allem im Anspruch: Copilot ist ein Produktivitätswerkzeug für Microsoft-365-Anwendungen. oneAI ist als Plattform konzipiert, die die KI-Nutzung im gesamten Unternehmen abbildet, unabhängig davon, welches Programm oder Modell dahintersteckt.
Wo hat oneAI noch nicht die Nase vorn?
Copilot ist tief in die Word-, Excel- und Outlook-Oberflächen integriert und kann dort ohne Umweg direkt im Dokument arbeiten. Diese nahtlose Einbindung in die tägliche Büroarbeit erreicht eine externe Plattform wie oneAI nicht im gleichen Maße. Für Unternehmen, die vor allem einzelne Office-Aufgaben beschleunigen wollen, bleibt Copilot deshalb eine sinnvolle Ergänzung, auch neben einer umfassenderen KI-Plattform.
Fazit: Was braucht eine vollständige KI-Strategie?
Copilot-Lizenzen zu kaufen ist ein sinnvoller erster Schritt, aber keine vollständige KI-Strategie. Wer wissen will, wie KI im eigenen Unternehmen tatsächlich genutzt wird, welche Daten dabei welche Systeme verlassen und ob das den eigenen Compliance-Anforderungen entspricht, braucht eine Übersicht über alle eingesetzten KI-Werkzeuge, nicht nur über die, die in Microsoft 365 eingebaut sind. Genau diese Lücke soll eine Plattform wie oneAI schließen.